re:view Tag 2
Nachdem ich die erste Frühlings-Einheit in den Konferenzräumen der Re:publica erlebt habe, galt es am Wochenende das schöne Wetter zu nutzen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen und den Rechner einfach mal aus zu lassen. Da ich aber auf ein persönliches Fazit der Re:publica 2009 nicht verzichten möchte, reiche ich dieses, wenn auch etwas verspätet, hiermit nach.
Der zweite Tag begann mit dem Bundesbeauftragten für Datenschutz, Peter Schaar. Da dieses Thema für meine Arbeit immer wichtiger geworden ist, habe ich mich besonders gefreut Herrn Schaar einmal live zu erleben. Wahrscheinlich hatte er noch nie ein Publikum welches so sehr auf seiner Seite stand, als er von einer zunehmenden Intensitaet von staatlicher, aber auch privat-wirtschaftlicher Überwachung, dem illegalen Handel von legalen Daten, sowie der Bedeutung des informationellen Selbstbestimmungsrechtes sprach. Wirklich neue und tiefgreifende Erkenntnisse kamen hier zwar nicht, aber die I-Phone / G1 und Twitter Fans im Saal dürften wohl bis zum nächsten Tweet wieder ein wenig sensibilisiert worden sein.
Die zweite Session besuchte ich bei der nunmehr öffentlichen Privacy-OS Subkonferenz. Es ging um People Search Engines und die Möglichkeiten die Aktivitäten von Personen im Internet nachzuverfolgen und miteinander zu verbinden. Hierzu möchte ich aber später noch einmal in einem gesonderten Posting eingehen.
Als nächstes besuchte ich den Vortrag von Rishab Ayer Ghosh, welcher über die Vorteile von Open Source Software und dessen Bedeutung für den Fortschritt referierte. Besonders interessant waren die historischen Beispiele ala James Watt und die Entwicklung der Dampfmaschine. So stellte er die stagnierende Entwicklung bis ca. 1811 und die darauf folgende rasante Steigerung der Verbreitung durch den Wegfall des Patentes, und die damit verbundene Öffnung für neue Ansätze, Verbesserungen und Ideen dar.
Die nächste wirklich spannende und von vielen erwartete Session war wohl die von Lawrence Lessig. Der Creative Commons Erfinder referierte natürlich über die Bedeutung des Copyrights in einer digitalen Welt. Der Remix stellte dabei den zentralen Moment dar, über welchen er die Unterschiede zwischen einer Read-Only und einer Read-Write Culture aufzeigte. Ein sehr spannender und unterhaltsamer Vortrag, der von den beteiligten mit viel Applaus und teilweise Standing-Ovations gefeiert wurde. Unbedingt ansehen!
Bei der letzten Session des Tages besuchte ich die Podiums-Diskussion zur Kulturflatrate. Hier ging es im Verhältnis zu anderen Sessions heiß her. Das Thema trifft genau den Nerv der Zeit und beschäftigt sich damit, inwieweit Künstler und Produzenten von Content, trotz einer freien und digitalen Informationsgesellschaft mit sinkenden Grenzkosten, dennoch Geld verdienen können. Zwar wird die Kulturflatrate von den meisten Beteiligten aufgrund eines zu hohen bürokratischen Aufwands in Frage gestellt, doch zeigt die Diskussion einmal mehr, wie unflexibel die Unternehmen und Produzenten in einer solch digitalen Welt agieren und an alten und eingefahrenen Geschäftsprozessen festhalten. Statt Öffnung gibt es Protektionismus (3 strikes and you are out!) und Kriminalisierung. Damit schließt sich der Kreis wieder zu Lawrence Lesssig, welcher die jugendliche Akteure dieser neuen Welt als Zielscheibe der Kriminalisierung ansieht.
Wer nun ein wenig Interesse an den Themen der Re:publica hat, dem möchte ich die Aufzeichnungen der Veranstaltungen bei MAKE.TV empfehlen. Darüber hinaus gibt es hier den Re:publica Fotostream, auf welchem viele Eindrücke vom Event festgehalten wurden.
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