Im Zeit Wirtschaftsteil findet sich diese Woche ein sehr interessanter Artikel zum Thema Google. Das ist zwar auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches, bietet aber gerade Angesichts des G1 Releases (und damit der Mobilisierung des Internets) einen guten Anlass, um sich mal wieder klar zu machen, was dort eigentlich vor sich geht.
Stellvertretend möchte ich auf zwei Dinge eingehen, die mich im Rahmen meiner Magisterarbeit beschäftigen. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um Google, mehr noch um die allgemeine Sammlung und Speicherung von digitalen Daten durch Unternehmen, Werbevermarkter und deren Partnerseiten. Alle gemeinsam sind bestrebt, ihre Nutzer und damit Konsumenten zu kennen. Nur wenn sie wissen, was sie interessiert und auf was sie reagieren, können sie ihr eigenes Verhalten optimieren. Google kann so zum Beispiel besser einschätzen, was die Person, die eine Suchanfrage stellt, wirklich interessiert, der Golf als Auto, oder der Golf als Sport?!
Natürlich betreibt Google diese Optimierung nicht für umsonst, sondern aus dem Interesse heraus, dass sie, wenn sie wissen, dass ein Nutzer wahrscheinlich das Auto Golf meint, auch entsprechende Werbung ausliefern können. “Think of it first as an advertising system” Ein wichtige Frage, die der Zeit-Artikel aufwirft, ist die, was eigentlich mit all diesen Daten, die einen so intensiven Einblick in unsere Interessen, Wünsche und Bedürfnisse geben, passiert:
“Aber was wird wozu? Was darf gespeichert, wann muss gelöscht werden? In welchem Land liegen die Daten überhaupt? Und welche Regeln gelten dort?” Die amerikanischen Rechenzentren von Google unterliegen zum Beispiel dem Patriot Act, der der Regierung umfassende Überwachungsbefugnisse zur Terrorabwehr gibt. Inwieweit unterliegen unsere Daten also dem Interesse der Homeland Security?
Wer weiß denn, was mit all diesen Informationen über uns passiert, wo sie gespeichert sind, wer darauf zugreifen kann und an wen sie eventuell verkauft werden? Niemals zuvor war es so einfach, so viele Informationen über eine ganze Gesellschaft zu sammeln. Aber können wir denen, die diese Informationen besitzen, speichern und auswerten auch trauen? Schließlich handelt es sich hierbei nicht um eine staatliche Behörde, sondern um am Markt operierende, mit finanziellen Hintergrundinteressen ausgestattete Unternehmen, dessen Ziel es ist, Rendite zu erwirtschaften.
Es scheint als ob die Geschwindigkeit, mit der die technische Entwicklung voranschreitet, eine reflektierende Sozialisation in der digitalen Welt untergräbt. Was nun also wichtig ist, ist die Bedeutung dieses Prozesses zu verstehen und an die Gesellschaft zu vermitteln. Darüber hinaus muss der Datenschutz weiter ausgebaut werden. Es braucht eine Debatte, was Unternehmen über eine Gesellschaft wissen dürfen, und was sie nichts angeht, wie mit diesen vertraulichen Daten umgegangen wird, und wie lange diese gespeichert werden dürfen.
Schließlich gleichen die digitalen Spuren im Internet “im Verlaufe der Zeit mehr und mehr Tätowierungen, die eng mit der Person verbunden sind und später nur unter sehr großen Schwierigkeiten beseitigt werden können.”
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